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Old 06-Oct-2009, 11:02
Omo Omo is offline
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Nine, Andrzej Stasiuk
Default Re: "Translation" or "updating"?

An interesting question. Earlier this year a "translation" of Grimmelshausens Simplicissimus came out. The book was first published in 1668 and is for the experienced modern German reader understandable.
Nonetheless Reinhard Kaiser wrote his version, translated from the German of the 17th century, which is already New High German. There has been a lot of incomprehension and praise in the feuilletons, but see what the translator wrote:

Quote:
Warum diese Mühsal und nicht erkennende Lust?, fragte sich Reinhard Kaiser, als er sich an die Übersetzung des Simplicissimus machte und einen ungeheuerlichen Prozess der ”Entzifferung“, die ”brutale Operation“ des Übersetzens in Angriff nahm: nach dreihundertvierzig Jahren sind im Barock geläufige Wörter und Wendungen in Vergessenheit geraten oder — eine viel tückischere Spielart der Sprache — in ihrer Bedeutung verschoben worden (”falsche Freunde“ nennt sie der Übersetzer). Darüber hinaus gibt es Stolpersteine, die das flüssige Lesen und Verstehen behindern, sprachliche Merkwürdigkeiten, alte Wortformen, altertümliche Schreibweisen, absonderliche grammatische Strukturen, fehlende — den Text gliedernde — Satzzeichen u.v.m. Grimmelshausens Roman scheint mit ”einer Patina überzogen, die den heutigen Leser vor eine schwierige Wahl stellt. Entweder er liest langsam, hält bei jedem Stutzpunkt inne und räumt ihn mit eigenem Nachdenken aus dem Weg... Oder der Leser liest, wie er es gewohnt ist: zügig — und merkt bald, wie er nicht mehr alles mitbekommt. ... So bietet der Simplicissimus heutigen Lesern die Chance, sich auf zweierlei Weise zu verirren — entweder im Dunst des nur halb Verstandenen oder im Schwärmen von Einzelheiten, die der Klärung und Erklärung bedürfen.“
Hier gilt es, den verborgenen Glanz von Grimmelshausens ”Herzenszähmerin“ wieder zum Vorschein zu bringen: dieses Buch durch Übersetzen zu entziffern und — hinterher — beim erneuten Lesen zu Entdeckungen zu verhelfen, mit denen der geneigte Leser beileibe nicht gerechnet hat. Der Simplicissimus ist ”keine altbackene, muffig und fast ungenießbar gewordene Scharteke, sondern ein Roman, der mit seinem Scharfsinn, seinem Witz und seiner gedankenspielerischen Kunstfertigkeit, mit seiner Großartigkeit und Eindringlichkeit zu den allerbesten gehört, die es in unserer Literatur gibt“.
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