Warum diese M?hsal und nicht erkennende Lust?, fragte sich Reinhard Kaiser, als er sich an die ?bersetzung des Simplicissimus machte und einen ungeheuerlichen Prozess der ”Entzifferung“, die ”brutale Operation“ des ?bersetzens in Angriff nahm: nach dreihundertvierzig Jahren sind im Barock gel?ufige W?rter und Wendungen in Vergessenheit geraten oder — eine viel t?ckischere Spielart der Sprache — in ihrer Bedeutung verschoben worden (”falsche Freunde“ nennt sie der ?bersetzer). Dar?ber hinaus gibt es Stolpersteine, die das fl?ssige Lesen und Verstehen behindern, sprachliche Merkw?rdigkeiten, alte Wortformen, altert?mliche Schreibweisen, absonderliche grammatische Strukturen, fehlende — den Text gliedernde — Satzzeichen u.v.m. Grimmelshausens Roman scheint mit ”einer Patina ?berzogen, die den heutigen Leser vor eine schwierige Wahl stellt. Entweder er liest langsam, h?lt bei jedem Stutzpunkt inne und r?umt ihn mit eigenem Nachdenken aus dem Weg... Oder der Leser liest, wie er es gewohnt ist: z?gig — und merkt bald, wie er nicht mehr alles mitbekommt. ... So bietet der Simplicissimus heutigen Lesern die Chance, sich auf zweierlei Weise zu verirren — entweder im Dunst des nur halb Verstandenen oder im Schw?rmen von Einzelheiten, die der Kl?rung und Erkl?rung bed?rfen.“
Hier gilt es, den verborgenen Glanz von Grimmelshausens ”Herzensz?hmerin“ wieder zum Vorschein zu bringen: dieses Buch durch ?bersetzen zu entziffern und — hinterher — beim erneuten Lesen zu Entdeckungen zu verhelfen, mit denen der geneigte Leser beileibe nicht gerechnet hat. Der Simplicissimus ist ”keine altbackene, muffig und fast ungenie?bar gewordene Scharteke, sondern ein Roman, der mit seinem Scharfsinn, seinem Witz und seiner gedankenspielerischen Kunstfertigkeit, mit seiner Gro?artigkeit und Eindringlichkeit zu den allerbesten geh?rt, die es in unserer Literatur gibt“.
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